Samstag, 8. Oktober 2011

Eine offene Rechnung/Sehenswertes Okt. 2011


The Debt (USA, 2010), Laufzeit 114 min.
















Synopsis
Die fiktive Nazi-Jäger Erzählung, „The Debt“, basiert auf der israelischen Filmvorlage „Ha-Hov“ (2007). Im Mittelpunkt stehen drei Mossad Agenten, die einen untergetauchten KZ-Arzt in Ost-Berlin eliminieren sollen. Die Mission der Agenten geht schief und der berüchtigte Arzt taucht ab. Unter dem Mantel der Verschwiegenheit kehren die Drei als Helden nach Israel zurück und belassen die Öffentlichkeit im Glauben, das die Mission geglückt sei. Zeit ihres Lebens bleibt die Lüge eine schwere Belastung für ihr Gewissen.


Das Gewissen als Antrieb
Wenn man die Hauptrollen kategorisiert, so stellen sie im weitesten Sinne folgende moralische Elemente dar: Die Verdrängung, das Schuldgefühl und das Gewissen. Hierbei ist letzteres der unsichtbare Protagonist der Erzählung, porträtiert durch eine zunächst unmündige weibliche Figur in einer patriarchalischen Welt. Das schlechte Gewissen ist angelegt als zentraler innerer Konflikt, welcher die Handlung des Films stetig vorantreibt. Durch die Korrektur der vergangenen Ereignisse, kommt es nicht nur zur gewissenhaften Läuterung, sondern auch zur Emanzipation der Agentin Rachel Singer.
 

Die stille Heldin
Die Agentin Rachel Singer ist in den Sechziger Jahren eine junge Frau, deren Handeln von den Eindrücken des Dritten Reichs bestimmt ist, als sie ihre Mossad-Mission in Ost-Berlin ausführt. Zwar hat sie einen riskanten und modernen Beruf, jedoch muss sie sich der Befehlskette beugen. Die Entscheidungen ihrer männlichen Vorgesetzten belasten Rachels Dasein über Jahrzehnte, bis sie zuletzt die Initiative ergreift und ihrem Schicksal entgegentritt unter Einsatz ihres Lebens. Somit zahlt sie als Sünderin einen hohen Preis für ihre persönliche Sühne und die falsche Heldenverehrung, die ihr in der Öffentlichkeit widerfahren ist. Da sich Rachel aber der Vergangenheit zuletzt stellt, im Gegensatz zu ihren männlichen Mitwissern, korrigiert sie als Frau die Geschichte und erlangt zumindest als stille Heldin ihren persönlichen Seelenfrieden wieder.


Empfehlung
„The Debt“ ist ein subtiler Thriller und kein Action-Kracher. Die narrative Struktur der verschiedenen Zeitebenen baut eine gelungene Brücke und lässt uns nach einer Weile die moralische Qualität der Geschichte erahnen. Cineastisch ist dieser Film in der Umsetzung eher in Zentraleuropa beheimatet, was sich Teils auch aus den Ost-Berliner Drehorten herleitet. Auch wenn dieser Film nicht durchweg temporeich ist und ästhetisch ebenfalls eher reduziert Wirkt in unseren Breitengraden, so ist der Film trotz allem hervorragend inszeniert und erreicht einen absolut packenden Höhepunkt.
i
Das riesige moralische Dilemma der Protagonisten ist die Grundlage für ein packendes Drama im Kontext des Thrillers. 
                                                                                                      
Autor: J. Kirgaard
 
Bewertung ++++++
Trailer & Film Clips

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen