Samstag, 24. März 2012

Deutschland würdigt seine Produzenten nicht/Thema


Der Filmproduzent ist in Deutschland nicht-existent
Wie oft sitzen Produzenten bei einer Preisverleihung und der Regisseur wird für "sein Werk" ausgezeichnet? Das ein Producer im Publikum über die ganze Herstellungsdistanz mit dem Regisseur gegangen ist und alles in seiner Macht stehende getan hat um die Vision auf die Leinwand zu bannen, fällt meist schlicht unter den Tisch.
Ein alltägliches Sinnbild, für das Unverständnis der Filmlandschaft gegenüber dem Tätigkeitsfeld des Produzenten, der auf seine Ökonomischenfähigkeiten reduziert, und fast nur als notwendiges Übel im erlauchten Kreis der übrigen Filmschaffenden wahrgenommen wird. Die Nicht-Würdigung der Produzenten in der deutschen Filmlandschaft ist einer der größten Fehler in der hiesigen Filmlandschaft.
Genauso wie für einen Regisseur, ist für den Produzenten der jeweilige Film eine Herzensangelegenheit. Viel Lebenszeit, Risiko, Leidenschaft, Erlebnisse und Erfahrungen... sind mit der Filmherstellung verbunden. Ein Produzent ist ebenfalls bereit sich der Kritik zu stellen, so wie sich der Regisseur am Erfolg des Films messen lassen muss.
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Leider beginnt das Dilemma bereits in der Filmausbildung, wo Regisseure mit Budgets ausgestattet werden und der Producer ein reiner Erfüllungsgehilfe ist. Schaut man sich aber die modernen Filmausbildungsstätte an, so sind diese wie moderne Studios aufgebaut. Skurrilerweise gibt es aber auch hier viel zu wenig Spielraum, damit der Producer als mündiger Filmschaffender handeln kann bzw. darf. Es wird ihm quasi verboten seine Fähigkeiten zu entwickeln und zu entfalten. Der Unterricht vermittelt neben dem praktischen Filmherstellungsprozess ein gutes Basiswissen im Finanzierungswesen. Managementfähigkeiten, wie man sie in der angelsächsischen Welt erlernen kann, stehen hier nicht auf dem Lehrplan. Somit fehlt dem angehenden deutschen Filmwirtschaftler schon in  der Studienphase wesentliches Handwerkszeug. Auch Unterricht im Bereich der Existenzgründung ist rar und vermittelt den Eindruck, dass der Produktionsnachwuchs nur als Arbeitnehmer an den Markt herangeführt wird.  

Außerdem gibt es neben dem Sehsüchte Filmfestival und beim Studio Hamburg Nachwuchspreis (nur Diplomfilme) im Newcomerbereich fast keinerlei  Bühne bzw. Auszeichnungsmöglichkeit für angehende Produktioner. Preise für den "Besten Film" werden ausschließlich an Regisseure vergeben, während eine weitere gleichstellnde Trophäe für den Möglichmacher nie zur Hand ist. Wiederum ein klarer Spiegel der Wertschätzung.
Am Beispiel des hochkreativen Bernd Eichingers zeigt sich, dass ein öffentlich bekannter Produzent Türen öffnen kann und als ein Gütesiegel für gute Filme funktioniert. Ein langfristig aufgebauter Track Record, bietet z. B. Vertrauen und Sicherheit für potentielle Investoren und ermöglicht die Arbeit über die Landesgrenzen hinaus.
Natürlich ist es gut ein starkes Förderungssystem zu haben, dass z. B. Newcomern ermöglicht ihr Talent zu zeigen, jungen Filmunternehmen beim Aufbau hilft, spezialisierte Standorte unterstützt und künstlerischen Randbereichen der Branche unter die Arme greift!
Sind wir aber ehrlich, so ist Film in Deutschland in seiner Gesamtheit eine subventionierte Industrie und Produzenten nur die reinen Verwalter der Fördermittel. In diesem Rahmen als ernstzunehmender Businessman aufzutreten ist höchst zweifelhaft, im Vergleich zu anderen Wirtschaftszweigen, die ihr Geld auf dem freien Markt hart verdienen müssen. Ziel eines jeden ökonomischen Sektors ist es eigentlich, Gewinnbringend zu arbeiten und Rücklagen zu bilden. Auch wenn das viele anders sehen wollen, so kann man bei näherer Betrachtung feststellen: Film ist auch die Herstellung eines Produkts und vergleichbar mit jeder anderen Produktionskette.
Natürlich ist das nur relevant, wenn man hier zu Lande den Film nicht als reines gefördertes Kulturgut betrachtet und dem alten Autorenkino exklusiv verhaftet bleibt. Aber, damit eine ernstzunehmende Filmwirtschaft entstehen kann, muss der Produzent aus dem Schatten treten und sich entwickeln dürfen. Denn über der theoretischen Debatte von Kunst oder Kommerz, geht es eigentlich um etwas wesentlich wichtigeres: Film als erstzunehmenden Wirtschaftszweig hier zu verankern und die Existenz der Filmschaffenden mit Perspektive zu sichern.
Thema: V. Schweizer 

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